Project Director Level A (GPM/IPMA): Wofür es steht und was es für Sie bedeutet

In Deutschland gibt es 48.547 Hochschulprofessorinnen und -professoren, insgesamt 2.588 Abgeordnete im Bundestag sowie den Landesparlamenten und immerhin stolze 136 Milliardäre. Die Gruppe der Menschen in unserer Republik allerdings, die sich zertifizierter Projektdirektor Level A (GPM/IPMA) nennen dürfen, umfasst nicht einmal hundert Personen.

Nun stehen diese Zahlen zwar in keinem direkten Zusammenhang, dennoch scheint es hierzulande leichter zu sein, ein zehnstelliges Vermögen anzuhäufen, als die höchste Stufe im Feld des Projektmanagements zu erklimmen. Umso mehr erfüllt es mich daher mit Stolz, nicht nur zu diesem kleinen Kreis zu zählen, sondern meine Zertifizierung in den vergangenen Wochen erneuert zu haben. Doch was heißt das für Sie?

Domingo Escabias Zertifikat

IPMA Level A – was ist das?

Falls Ihnen die Zertifizierungen aus der Welt des Projektmanagements nicht geläufig sind, erlauben Sie mir eine Erläuterung.

Wer prüft?

Alle Zertifikate werden vor einer regionalen Vertretung der International Project Management Association (IPMA) abgelegt, dem weltumspannenden Verband der Projektmanager bestehend aus nationalen Vereinigungen in 70 Ländern und über 40.000 Mitgliedern. Jedes Zertifikat besitzt also globale Anerkennung.

Für Projektmanager aus der Bundesrepublik zeichnet sich die Deutsche Gesellschaft für Projektmanagement (GPM) verantwortlich. Daher auch der Name des Zertifikates: Level A (GPM/IPMA) – abgelegt vor der deutschen Vertretung, international anerkannt.

Welche Level gibt es?

Insgesamt existieren vier Zertifizierungsstufen. Diese reichen von den Leveln D bis A und sind folgendermaßen gestaffelt:

  • IPMA Level A: Certified Projects Director
  • IPMA Level B: Certified Senior Project Manager
  • IPMA Level C: Certified Project Manager
  • IPMA Level D: Certified Project Management Associate

Seit ihrer Gründung 1965 bis zum Jahr 2020 wurden vor der IPMA über 350.000 Zertifikate abgelegt, davon über 61.700 alleine in Deutschland. Wir sind also ein Land der Macher und eine Hochburg des Projektmanagements.

Reicht der einmalige Erwerb eines Zertifikats?

Nein, jedes Zertifikat muss alle fünf Jahre erneuert werden. Das Projektmanagement ist eine Disziplin, die sich fortlaufend weiterentwickelt und jeden technologischen Fortschritt dankbar aufgreift.

Dementsprechend ändern sich auch beständig die Anforderungen, welche an einen qualifizierten Projektmanager gestellt werden. Sie können sich wahrscheinlich vorstellen, wie sehr sich in unser Berufsstand allein durch die Verbreitung von Internet und Taschencomputern im Smartphone-Format in den letzten Jahren gewandelt hat.

Ein Projektmanager, der seine Arbeit auf Basis seiner Qualifizierung zum Milleniumswechsel verrichtet, würde wahrscheinlich immer noch mit Karteikarten hantieren. Wie in allen wissenschaftlichen Berufsfeldern gehören andauernde Fort- und Weiterbildungen daher immer mit zum Geschäft.

Was bedeuten Level A und Project Director?

Ein Projektmanager auf Level A, der sogenannte Projektdirektor, ist qualifiziert für die strategische Leitung von Großprojekten oder zur Tätigkeit als Führungskraft in projektbasierten Organisationen. Zu seinen Aufgaben gehören die zentrale Leitung von Projekt-, Programm und Portfoliomanagement, Planung und Umsetzung von Projektstrategien, die Organisationssteuerung und das Führen von Projekt-Führungskräften.

Kurzum: Wenn Sie ein wirklich großes Projekt realisieren möchten – und wir reden hier von Vorhaben wie dem Bau eines Krankenhauses oder einer Bewerbung für die Olympischen Spiele – ist der Project Director die Person, bei der die Gesamtverantwortung liegt. Hier laufen sämtliche Fäden endgültig zusammen, werden alle Projektschritte geplant, organisiert und delegiert. Der Projektdirektor ist die zentrale Schaltstelle für den Erfolg von Großprojekten.

Kann jeder Projektmanager Level A werden?

Selbstverständlich! Wenn er oder sie die nötigen Qualifikationen mitbringt.

Denn tatsächlich können Sie nicht einfach bei der IPMA anrufen und nach dem nächsten freien Termin für eine Level A Zertifizierung fragen. Die Damen und Herren dort erwarten von Ihnen eine umfassende Bewerbung.

Falls Sie nun nicht mindestens fünf Jahre Erfahrung als gesamtverantwortlicher Projektmanager für sogenannte Megaprojekte und zusätzlich noch mindestens drei Jahre Erfahrung als Projektmanager auf strategischem Level besitzen, können Sie den Stift gleich wieder beiseitelegen – denn so lauten die Mindestanforderungen, welche die IPMA stellt.
Sollten Sie allerdings einen Haken hinter diese Bedingungen machen könne, dann wäre Ihre nächste Aufgabe, genau zu erklären, warum die von Ihnen betreuten Projekte die Voraussetzungen eines Megaprojektes erfüllen.

Weiterhin beizufügen sind: Weiterbildungsnachweise, eine umfassende Selbstauskunft, Referenzen sowie eine ausführliche Beschreibung aller weiteren Projekte unter Ihrer Verantwortung inklusive der Beschreibung konkreter Projektphasen und einer Komplexitätsbewertung.

Falls Sie jetzt den Eindruck gewonnen haben, dass der eigentliche Zertifizierungsvorgang nicht wesentlich komplexer sein kann, als die dazugehörige Bewerbung, kann ich Ihnen nur zustimmen.

Wie wird geprüft?

Auf Level A wird Ihnen kein Multiple-Choice-Test vorgelegt, der Ihr Wissen als Projektmanager abfragt. Vielmehr geht es um die reale Anwendung Ihres gesamten Erfahrungsschatzes in einem konkreten Fall.

Dementsprechend erwartet die Prüfungskommission von Ihnen einen mindestens 25-seitigen Report im Standardformat – also Schriftgröße 11, einfacher Zeilenabstand, Rand von zwei Zentimetern – über ein von Ihnen verantwortetes Großprojekt innerhalb der letzten fünf Jahre. Zu den Inhalten dieses Reports gehören unter anderem eine Ziel-, Ressourcen- und Stakeholder-Beschreibung, die Darlegung des Projektmanagements der Organisation und eine Kompetenzinterpretation sowie eine vollständige Sammlung aller relevanten Anhänge.

Ihr Report wird von Assessoren geprüft und bewertet. Erst wenn er das das Wohlwollen der Prüfer findet, erfolgt eine Einladung zu einer dreistündigen Simulation sowie einem anderthalbstündigen Interview.

Ein Projektmanager Level A schreibt also quasi alle fünf Jahre eine neue Master-Thesis und muss diese auch verteidigen.

Was Sie davon haben

Wahrscheinlich sagen Sie sich an dieser Stelle, dass das zwar alles schön und gut ist und freuen sich vielleicht auch ein wenig, dass Sie kein Projektmanager geworden sind – aber was ist Ihr persönlicher Mehrwert aus dem Ganzen?

Um es ganz unbescheiden zu sagen: Wenn Sie ein Projekt planen und auf der Suche nach dem richtigen Projektmanager sind, dann können Sie sich blind darauf verlassen, dass der Inhaber eines Zertifikates des Level A der richtige Mann oder die richtige Frau für den Job ist.
Wenn Sie sich und Ihr Team fortbilden möchten und dabei auf einen Wissensschatz zugreifen möchten, wie er tiefer kaum sein könnte, dann steht Level A für genau diese Qualifikation.

Die Anforderungen auf diesem Niveau sind so hoch, die Zulassungsbedingungen so streng und die vorausgesetzte Erfahrung so umfassend, wie in wenigen anderen Berufen. Jede Inhaberin und jeder Inhaber eines Level A-Zertifikates hat bereits Teams aus mehreren hundert Mitgliedern geführt und Projekte realisiert, wie sie eine Organisation nur alle Jahrzehnte einmal stemmen muss. Nicht ganz umsonst verglich ein bekannter Kollege das Level A einmal mit dem Ritterschlag.

In gespannter Erwartung

Ganz in diesem Sinne freue ich darauf, auch Ihre Organisation erfolgreich durch das nächste Projekt zu begleiten oder mein Wissen an Sie und Ihre Mannschaft weiterzugeben.

Denn es sind immer Projekte, die unsere Welt am Laufen halten und uns in die Zukunft katapultieren. Zu groß, zu komplex, zu riskant gibt es dabei nicht – im Gegenteil: je herausfordernder das Projekt, desto spannender wird es. Packen wir es also an!

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